Das Sommerfrischehaus Max Förster 

in Altenburg


 

Altenburg ist eine Gartenstadt mit einer Vielzahl öffentlicher und privater Gärten. Die Geschichte der Altenburger Gartenkultur und ihrer Gartenhäuser reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück: Von den Klostergärten und Anwesen der Rittergüter über die Bauern-, Villen-, Schloßgärten und Parkanlagen der Neuzeit bis zu den Kleingartenanlagen heute. Mit über zwei Dritteln machen diese Anlagen einen Großteil des öffentlichen Grüns in Altenburg aus. Das Sommerfrischehaus des Industriellen Max Förster reiht sich in diese Ansammlung „grüner Orte“ mit besonderer historischer Bedeutung ein. 
 
 1911 auf einer Streuobstwiese, fußläufig vom Arbeitsort des Fabrikanten, der „Max Förster Haar- und Woll-Filzhut Fabrik“ am Großen Teich in Altenburg errichtet, fand hier der rastlos schaffende Industrielle, der wesentlich zum Aufstieg Altenburgs zu einem bedeutenden Zentrum der industriellen Hutproduktion beitrug, Rückzugsort und Idylle. 

Errichtet auf einem massiven Kellergeschoß, verleiht das mit Ziegeln eingedeckte und mit Fledermausgauben ausgestattete Mansardendach dem Haus ein besonderes Flair. Mit dem quadratischem Grundriß und einer L-förmig an die Wohnräume gegliederten verglasten Veranda repräsentiert das Haus alle Merkmale der zeitgenössischen Bauten in vorgefertigter Montagebauweise. Auch deshalb wurde es knapp 100 Jahre nach seiner Errichtung, im Jahr 2009, in das Denkmalbuch der Stadt Altenburg als Kulturdenkmal eingetragen. 


 Trotz der Verkleidungen, die die Glasfassade der Veranda aktuell vor Zerstörung schützen, ist die großzügige dreiteilige Gliederung auf der Ost- und Westseite mit den Korbbogen-förmigen Oberlichtern noch gut erkennbar. Das Kellergeschoß des großbürgerlichen Gartenhauses befindet sich im Gegensatz zu dem oberirdischen Holzgebäude (Erd- und Dachgeschoß) in einem sehr guten Zustand. 

Mit 54 qm Bruttogeschoßfläche ist das Sommerfrischehaus zwar nicht gerade opulent, in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Historischen Laubengarten" mit seiner 6 qm großen Gartenlaube aus den 1920er Jahren in der Gartenanlage Einheit e.V. dennoch ein selbstbewußter kleiner Solitär. 

Holz – was sonst wird sich der Bauherr gedacht haben. Vor 100 Jahren war dieser Baustoff gebräuchlich für Nebengebäude wie z. B. die benachbarten Lauben in der Gartenanlage Einheit. Für das Sommerfrischehaus war der Baustoff Holz eine nahe liegende Wahl, zumal das Haus nicht für ganzjährige Nutzung vorgesehen war. So konnten Außenwände schlank konstruiert werden. 
 
 Das verwendete Baumaterial war üblich, nicht jedoch die Bautechnik: Das Haus wurde in Berlin Friedrichsfelde vorgefertigt, die Bauteile nach Altenburg transportiert und hier lediglich zusammengefügt. Und das im Jahr 1911! Erst 3 Jahre später auf der Kölner Werkbundausstellung im Jahr 1914 präsentierte der Deutsche Werkbund ein Sommerhaus als zerlegbares Holzhaus als vorbildliches Beispiel für zeitgemäße Technik und moderne Formgebung.